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Scambodia – von Thailand nach Kambodscha

Hello Sir, Motobike?

Wir sind uns schon Einiges gewohnt nach knapp drei Monaten Backpacking durch Südostasien. Es fing ja schon in Vietnam an, wo manipulierte Taxi-Meter bis zu sechs Mal schneller zählten. Erstaunlich wie man bereits nach 15 Minuten Fahrt in einer Stau geplagten Stadt wie Hanoi bereits schon 25.4 km auf dem Zähler hat. Wir haben uns mittlerweile darauf eingestellt, wie wir uns bei solchen Tricks und Maschen verhalten sollen um die Abzocke möglichst zu minimieren.

Unser thailändisches Visum war nur für zwei Wochen gültig anstatt den üblichen 30 Tagen, da wir über den Landweg in das Land eingereist und nicht über den Luftweg. Darum mussten wir das Land spätestens am 24. Juli verlassen um Strafgebühren zu vermeiden.

Darum ein dicht gedrängtes – von einem eintägigen “it’s coming out at both ends” Zwischenfall verzögertes – Programm. Die letzten zwei Tagen waren hauptsächlich damit gefüllt, mit dem Nightsleeper Bus von Chiang Mai nach Bangkok zu gelangen. Anschliessend mit einem überteuerten “VIP” Minivan über die Grenze nach Siem Reap, Kambodscha, wo wir das Weltkulturerbe Angkor Wat mit seinen atemberaubenden und enorm dimensionierten Tempelanlagen besichtigen wollten.

Nach der langen Busfahrt nach Bangkok, die Verspätungen mit sich brachte da einige Zylinder während der Fahrt ausfielen, fielen wir leider einem Scam zum Opfer. Total übermüdet wurden wir mit dem Tuk Tuk in ein angeblich ofizielles TAT (Tourism Authority of Thailand) Reisebüro gebracht. Dort wollte man uns die Fahrt nach Siem Reap für 45 USD andrehen. Ich habe den Preis auf 30 USD runtergehandelt, bis ich anschliessend feststellen musste, dass der ofizielle Preis bei 10 – 12 USD liegt. Naja, muss ehrlich zugeben, das Ganze war genial inszeniert. Ein sehr Vertrauen erweckender und freundlicher Agent, der einem knallhart ins Gesicht lügt ohne zu erröten und vor allem ein gelungen kopiertes Fake-Büro. Man kann ja schliesslich nicht immer gewinnen 😉

Scambodia

Was das Visum für Kambodscha anbelangt liessen wir uns nicht reinlegen an der Grenze zwischen Aranya Prathet in Thailand und Poipet in Kambodscha. Wir hatten bereits vorher in Erfahrung gebracht, dass das Hauptgeschäft in Aranya Prathet aus Visa Scams besteht, wo den unwissenden Touris völlig überteuerte Visa angedreht werden. Man hört von eingeweihten Bus- und Tuk Tuk Fahrern, die einem zu ausserordentlich gut nachgeahmten Visa-Büros bringen, wo einem alles Mögliche vorgelogen wird um das Visum zu kaufen. Um sich ein genaueres Bild zu machen empfehle ich diesen Blog-Artikel.

So wurden wir nach ca. vier Stunden Fahrt von Bangkok kurz vor der Grenze an einer Raststätte abgeladen. Dort sassen bereits ca. 20-30 Touris, die zu Mittag assen. Eine freundliche Dame drückte uns ein Gesuchsformular für ein Visum in die Hand. Ich habe die sie gefragt, wieviel den das Visum kostet und ihre Antwort war 1300 Baht (43 USD). Als ich ihr sagte das Visum koste 20 USD hat sie geantwortet es sei nicht möglich an der Grenze mit Dollars zu bezahlen. Wir entgegneten ihr, dass wir sowieso in Baht zahlen wollen. Da hat sie geantwortet, das Visum koste 1000 Baht (auf einmal 300 Baht weniger) oder eben 20 USD, aber es sei nicht möglich mit $ zu zahlen. Wir standen auf und forderten höflich, wie uns versprochen wurde, direkt zur Grenze geführt zu werden. Ich bin dann zu den Touris gegangen und habe ihnen gesagt der ofizielle Preis sei 20 USD. Noch bevor ich weiterreden konnte, kam ein Mann zu uns und fragte ob er uns helfen könne. Ich antwortete ihm er solle uns bitte zur Grenze bringen damit wir ein Visum kriegen. Er antwortete harsch wir sollen jetzt, auf gut Deutsch, die Klappe halten. Er sei nicht für Visaanfragen zuständig sondern für den Transport. Wir entgegneten ihm, dass seine Antwort nicht angemessen wäre für sein angebliches “Can I help you?” Hilfsangebot. Er erwähnte erneut wir sollen jetzt schweigen und ihn ausreden lassen. Ja gut, wir wollen ja schlussendlich in Siem Reap ankommen also haben wir nichts mehr gesagt. Da war er auf einmal super freundlich und sagte er würde uns jetzt mit dem Tuk Tuk zur Grenze bringen. Logisch war er aufgebracht, wir bedrohten ihm ja sein Tageseinkommen.

Google, wo bin ich?

Als wir an der Grenze ankamen hatten wir das Problem, das wir nicht mal wussten ob wir an der Grenze waren. Ein riesiger Markt, ein grosses Casino, viele Schilder ausschliesslich in Thai beschriftet. Keine Ahnung. Hätte gerne mein Smartphone genutzt um zu sehen wo ich bin aber ich hatte keine Datenverbindung. Zum Glück hatte man uns einen Führer zur Verfügung gestellt, der uns tatsächlich zur thailändischen Grenze brachte. Hätten wir ihn nicht gehabt hätten uns womöglich Dutzende ein Visa andrehen wollen. Als wir einen Stempel im Pass später die Thai Seite verliessen hatten wir immer noch keine Ahnung was genau abläuft. Ein unscheinbares Schild deutete darauf hin, dass eine Richtung für Leute mit Visum, eine für jene ohne Visum und die dritte für Casino-Besucher gedacht sei. Es ist eine übliche Abwechslung vieler Thais am Wochenende über (oder in die?) Grenze zu gehen und sein Vermögen zu verscherbeln. Wir fanden dann endlich die offizielle kambodschanische Visa-Austellbehörde. Aber was uns drin erwartete hätte ich nie für möglich gehalten. Kein Wunder schneidet Kambodscha im aktuellsten internationalen Corruption Perceptions Index (CPI2011) so schlecht ab. Platz 164 von 183. Über dem Schalter hing ein Schild, wo angeschrieben steht ein Visum koste 20 USD. Der Beamte jedoch verlangte tatsächlich 30 USD, da eben noch “gewisse Administrationsgebühren” dazukommen. Ich bin ja nicht naiv, Korruption ist allgegenwärtig. Ich kenne es leider aus meinem Heimatland (nicht die Schweiz).

Scambodian visa

Scambodian visa

Aber so offensichtlich?!? An einer offiziellen Grenze? Das hätte ich nicht erwartet.
Ich hatte aber schon etwas vorgesorgt und nur 1400 Baht (ca. 42 USD) ins Portemonnaie gepackt. Den Rest hatte meine Freundin. Dem Beamten sagte ich dann, ich hätte nicht mehr Geld dabei, ich hätte bereits schon alles an thailändischer Währung ausgegeben, da ich das Geld nicht mehr in Kambodscha benötigen könne. Nach einigen mahnenden Worten wurden wir verdonnert uns hinzusetzten und zu warten. Die Pässe hatten wir nicht mehr, die hat der Beamte uns abgezwackt. Wir wurden langsam nervös, da der Führer und der Bus auf der anderen Seite bereits auf uns warteten. Aber wir blieben cool, spielten die dummen armen Backpacker vor, und nach fünf Minuten kam der Beamte und drückte uns die Pässe mit gültigem Visa (und Autogramm vom Sith höchstpersönlich – möge die Macht mit uns sein ;)) in die Hand.

Gotcha!