Der weisse Tempel

Unsere Kuriosität und Erwartungen waren sehr hoch als wir bereits von mehreren Backpacker in Laos gehört haben wir sollen unbedingt den weissen Tempel (Wat Rong Khun) 13km südlich von Chiang Rai besuchen. Niemand wollte uns verraten was uns dort erwartet und die dadurch erweckte Neugier hinderte uns auch daran im Reiseführer mehr darüber in Erfahrung zu bringen.

FrontviewZum Glück! Als wir nach knapp einer Stunde mit unserem Ein-Gang-Velo den Tempel vom verqualmten Highway 1 (ist halt kein Veloland wie die CH) aus erblickten stieg die Spannung noch mehr an. Die Tempelanlage wirkt durch die weisse Farbe der Mauern surreal, gar märchenhaft.

Als ich mich weiter zum Komplex näherte dachte ich mir es würden womöglich jetzt Elfen und Einhörner herausspazieren. Aber nichts dergleichen, da waren keine edlen Wesen die uns am Eingang willkommen hiessen, sondern verzerrte Kreaturen, die direkt aus der Hölle zu kommen schienen. Dies erweckte einen sehr bizarren Eindruck.

Komplett überrascht von dem was wir vorfanden stellten wir fest, dass es sich hier um einen buddhistisch-hinduistische Tempel handelt. Im Gegensatz zu anderen Tempeln Thailands, begann die Konstruktion dieser Anlage erst 1997 unter der Leitung des berühmten Thai Künstlers Chalermchai Kositpipat. Der 61-jährige Künstler will den Komplex bis voraussichtlich 2070 mit insgesamt neun Bauwekren fertiggestellt haben (Time Magazine). Im Moment leisten ihm 69 Schüler Hilfe dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen.

Ghoulish creatures try to escape hell

Traditionell ist Weiss in Thailand eine Farbe der Trauer, hier wird sie als die Reinheit Buddhas symbolisiert und als Buddhas Weisheit, die hell über der Erde und dem Universum scheint.

Um zum Inneren des Tempels zu gelangen muss man zuerst eine Brücke überqueren, welche den Übergang vom Zyklus der Wiedergeburt zum Raum Buddhas wiederspiegelt. Unterhalb der Brücke befindet sich die Hölle, durchsät mit unzähligen furchteinflössenden Kreaturen und ausgestreckten Händen nach oben zeigend, welche verzweifelt versuchen von der Hölle zu entkommen. Aber ob jemand in den Himmel aufgenommen wird entscheiden die zwei Wächter (soviel ich weiss sollen sie den Tod repräsentieren) am Tor zum Himmel. Bridge and Gate to HeavenHat man die Pforte durchquert (und die Schuhe schön brav ausgezogen und die Kamera versorgt) gelangt man in die Versammlungshalle der Mönche (Ubosot). Im Inneren sind drei von vier Wänden mit aufwendigen und teilweise lebensecht erscheinenden Malereien beschmückt. Die letzte Wand ist noch grau, welche daran erinnert, dass das Bauwerk noch nicht fertiggestellt ist. Die Malereien sind meiner Ansicht ein künstlerisches Meisterwerk. Viele Details in den Bildern beinhalten versteckte Botschaften und indirekte Beziehungen zum irdischen Leben.

9/11 illustrationEin Beispiel illustriert den 9/11 Anschlag. Es ist jedoch nicht ein Flugzeug, welches in den Tower geflogen ist sondern vermutlich ein Angry Bird. Wenn man genauer hinsieht erkennt man vor de rechten Tower Superman, der zur Hilfe eilt. Wir hätten uns womöglich Stunden in der Halle aufhalten können und interpretiert und gegrübelt was all die Bilder bedeuten sollen. Sieht man die Malereien als Ganzes an, so ist ersichtlich das zuunterst das Übel weilt und man im Zyklus der Wiedergeburt langsam nach oben steigt bis man zuletzt erleuchtet wird und man im Nirvana landet. Leider darf man im Inneren keine Fotos machen. Wir waren ebenfalls total überrascht als wir im Innern einen Mönch vorfanden. Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass “Geistliche” sich in einem solch “modernen” und bizarren Tempel aufhalten würden, aber dies schien dem Mönch gar nichts auszumachen.

Alles bis ins letzte Details gestaltet. Selbst die Warnschilder entsprechen dem künstlerischen Stil. Das Symbol für das Hundeverbot ähnelt einem Schlangenkopf, neben dem Rauchverbot Schild sind Totenköpfe und vieles mehr. Ein absolutes Muss für jedermann, der sich in Chiang Rai aufhält oder sonst etwas Aussergewöhnliches sehen möchte.

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