Archive for » July, 2012 «

Scambodia – von Thailand nach Kambodscha

Hello Sir, Motobike?

Wir sind uns schon Einiges gewohnt nach knapp drei Monaten Backpacking durch Südostasien. Es fing ja schon in Vietnam an, wo manipulierte Taxi-Meter bis zu sechs Mal schneller zählten. Erstaunlich wie man bereits nach 15 Minuten Fahrt in einer Stau geplagten Stadt wie Hanoi bereits schon 25.4 km auf dem Zähler hat. Wir haben uns mittlerweile darauf eingestellt, wie wir uns bei solchen Tricks und Maschen verhalten sollen um die Abzocke möglichst zu minimieren.

Unser thailändisches Visum war nur für zwei Wochen gültig anstatt den üblichen 30 Tagen, da wir über den Landweg in das Land eingereist und nicht über den Luftweg. Darum mussten wir das Land spätestens am 24. Juli verlassen um Strafgebühren zu vermeiden.

Darum ein dicht gedrängtes – von einem eintägigen “it’s coming out at both ends” Zwischenfall verzögertes – Programm. Die letzten zwei Tagen waren hauptsächlich damit gefüllt, mit dem Nightsleeper Bus von Chiang Mai nach Bangkok zu gelangen. Anschliessend mit einem überteuerten “VIP” Minivan über die Grenze nach Siem Reap, Kambodscha, wo wir das Weltkulturerbe Angkor Wat mit seinen atemberaubenden und enorm dimensionierten Tempelanlagen besichtigen wollten.

Nach der langen Busfahrt nach Bangkok, die Verspätungen mit sich brachte da einige Zylinder während der Fahrt ausfielen, fielen wir leider einem Scam zum Opfer. Total übermüdet wurden wir mit dem Tuk Tuk in ein angeblich ofizielles TAT (Tourism Authority of Thailand) Reisebüro gebracht. Dort wollte man uns die Fahrt nach Siem Reap für 45 USD andrehen. Ich habe den Preis auf 30 USD runtergehandelt, bis ich anschliessend feststellen musste, dass der ofizielle Preis bei 10 – 12 USD liegt. Naja, muss ehrlich zugeben, das Ganze war genial inszeniert. Ein sehr Vertrauen erweckender und freundlicher Agent, der einem knallhart ins Gesicht lügt ohne zu erröten und vor allem ein gelungen kopiertes Fake-Büro. Man kann ja schliesslich nicht immer gewinnen 😉

Scambodia

Was das Visum für Kambodscha anbelangt liessen wir uns nicht reinlegen an der Grenze zwischen Aranya Prathet in Thailand und Poipet in Kambodscha. Wir hatten bereits vorher in Erfahrung gebracht, dass das Hauptgeschäft in Aranya Prathet aus Visa Scams besteht, wo den unwissenden Touris völlig überteuerte Visa angedreht werden. Man hört von eingeweihten Bus- und Tuk Tuk Fahrern, die einem zu ausserordentlich gut nachgeahmten Visa-Büros bringen, wo einem alles Mögliche vorgelogen wird um das Visum zu kaufen. Um sich ein genaueres Bild zu machen empfehle ich diesen Blog-Artikel.

So wurden wir nach ca. vier Stunden Fahrt von Bangkok kurz vor der Grenze an einer Raststätte abgeladen. Dort sassen bereits ca. 20-30 Touris, die zu Mittag assen. Eine freundliche Dame drückte uns ein Gesuchsformular für ein Visum in die Hand. Ich habe die sie gefragt, wieviel den das Visum kostet und ihre Antwort war 1300 Baht (43 USD). Als ich ihr sagte das Visum koste 20 USD hat sie geantwortet es sei nicht möglich an der Grenze mit Dollars zu bezahlen. Wir entgegneten ihr, dass wir sowieso in Baht zahlen wollen. Da hat sie geantwortet, das Visum koste 1000 Baht (auf einmal 300 Baht weniger) oder eben 20 USD, aber es sei nicht möglich mit $ zu zahlen. Wir standen auf und forderten höflich, wie uns versprochen wurde, direkt zur Grenze geführt zu werden. Ich bin dann zu den Touris gegangen und habe ihnen gesagt der ofizielle Preis sei 20 USD. Noch bevor ich weiterreden konnte, kam ein Mann zu uns und fragte ob er uns helfen könne. Ich antwortete ihm er solle uns bitte zur Grenze bringen damit wir ein Visum kriegen. Er antwortete harsch wir sollen jetzt, auf gut Deutsch, die Klappe halten. Er sei nicht für Visaanfragen zuständig sondern für den Transport. Wir entgegneten ihm, dass seine Antwort nicht angemessen wäre für sein angebliches “Can I help you?” Hilfsangebot. Er erwähnte erneut wir sollen jetzt schweigen und ihn ausreden lassen. Ja gut, wir wollen ja schlussendlich in Siem Reap ankommen also haben wir nichts mehr gesagt. Da war er auf einmal super freundlich und sagte er würde uns jetzt mit dem Tuk Tuk zur Grenze bringen. Logisch war er aufgebracht, wir bedrohten ihm ja sein Tageseinkommen.

Google, wo bin ich?

Als wir an der Grenze ankamen hatten wir das Problem, das wir nicht mal wussten ob wir an der Grenze waren. Ein riesiger Markt, ein grosses Casino, viele Schilder ausschliesslich in Thai beschriftet. Keine Ahnung. Hätte gerne mein Smartphone genutzt um zu sehen wo ich bin aber ich hatte keine Datenverbindung. Zum Glück hatte man uns einen Führer zur Verfügung gestellt, der uns tatsächlich zur thailändischen Grenze brachte. Hätten wir ihn nicht gehabt hätten uns womöglich Dutzende ein Visa andrehen wollen. Als wir einen Stempel im Pass später die Thai Seite verliessen hatten wir immer noch keine Ahnung was genau abläuft. Ein unscheinbares Schild deutete darauf hin, dass eine Richtung für Leute mit Visum, eine für jene ohne Visum und die dritte für Casino-Besucher gedacht sei. Es ist eine übliche Abwechslung vieler Thais am Wochenende über (oder in die?) Grenze zu gehen und sein Vermögen zu verscherbeln. Wir fanden dann endlich die offizielle kambodschanische Visa-Austellbehörde. Aber was uns drin erwartete hätte ich nie für möglich gehalten. Kein Wunder schneidet Kambodscha im aktuellsten internationalen Corruption Perceptions Index (CPI2011) so schlecht ab. Platz 164 von 183. Über dem Schalter hing ein Schild, wo angeschrieben steht ein Visum koste 20 USD. Der Beamte jedoch verlangte tatsächlich 30 USD, da eben noch “gewisse Administrationsgebühren” dazukommen. Ich bin ja nicht naiv, Korruption ist allgegenwärtig. Ich kenne es leider aus meinem Heimatland (nicht die Schweiz).

Scambodian visa

Scambodian visa

Aber so offensichtlich?!? An einer offiziellen Grenze? Das hätte ich nicht erwartet.
Ich hatte aber schon etwas vorgesorgt und nur 1400 Baht (ca. 42 USD) ins Portemonnaie gepackt. Den Rest hatte meine Freundin. Dem Beamten sagte ich dann, ich hätte nicht mehr Geld dabei, ich hätte bereits schon alles an thailändischer Währung ausgegeben, da ich das Geld nicht mehr in Kambodscha benötigen könne. Nach einigen mahnenden Worten wurden wir verdonnert uns hinzusetzten und zu warten. Die Pässe hatten wir nicht mehr, die hat der Beamte uns abgezwackt. Wir wurden langsam nervös, da der Führer und der Bus auf der anderen Seite bereits auf uns warteten. Aber wir blieben cool, spielten die dummen armen Backpacker vor, und nach fünf Minuten kam der Beamte und drückte uns die Pässe mit gültigem Visa (und Autogramm vom Sith höchstpersönlich – möge die Macht mit uns sein ;)) in die Hand.

Gotcha!

Der weisse Tempel

Unsere Kuriosität und Erwartungen waren sehr hoch als wir bereits von mehreren Backpacker in Laos gehört haben wir sollen unbedingt den weissen Tempel (Wat Rong Khun) 13km südlich von Chiang Rai besuchen. Niemand wollte uns verraten was uns dort erwartet und die dadurch erweckte Neugier hinderte uns auch daran im Reiseführer mehr darüber in Erfahrung zu bringen.

FrontviewZum Glück! Als wir nach knapp einer Stunde mit unserem Ein-Gang-Velo den Tempel vom verqualmten Highway 1 (ist halt kein Veloland wie die CH) aus erblickten stieg die Spannung noch mehr an. Die Tempelanlage wirkt durch die weisse Farbe der Mauern surreal, gar märchenhaft.

Als ich mich weiter zum Komplex näherte dachte ich mir es würden womöglich jetzt Elfen und Einhörner herausspazieren. Aber nichts dergleichen, da waren keine edlen Wesen die uns am Eingang willkommen hiessen, sondern verzerrte Kreaturen, die direkt aus der Hölle zu kommen schienen. Dies erweckte einen sehr bizarren Eindruck.

Komplett überrascht von dem was wir vorfanden stellten wir fest, dass es sich hier um einen buddhistisch-hinduistische Tempel handelt. Im Gegensatz zu anderen Tempeln Thailands, begann die Konstruktion dieser Anlage erst 1997 unter der Leitung des berühmten Thai Künstlers Chalermchai Kositpipat. Der 61-jährige Künstler will den Komplex bis voraussichtlich 2070 mit insgesamt neun Bauwekren fertiggestellt haben (Time Magazine). Im Moment leisten ihm 69 Schüler Hilfe dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen.

Ghoulish creatures try to escape hell

Traditionell ist Weiss in Thailand eine Farbe der Trauer, hier wird sie als die Reinheit Buddhas symbolisiert und als Buddhas Weisheit, die hell über der Erde und dem Universum scheint.

Um zum Inneren des Tempels zu gelangen muss man zuerst eine Brücke überqueren, welche den Übergang vom Zyklus der Wiedergeburt zum Raum Buddhas wiederspiegelt. Unterhalb der Brücke befindet sich die Hölle, durchsät mit unzähligen furchteinflössenden Kreaturen und ausgestreckten Händen nach oben zeigend, welche verzweifelt versuchen von der Hölle zu entkommen. Aber ob jemand in den Himmel aufgenommen wird entscheiden die zwei Wächter (soviel ich weiss sollen sie den Tod repräsentieren) am Tor zum Himmel. Bridge and Gate to HeavenHat man die Pforte durchquert (und die Schuhe schön brav ausgezogen und die Kamera versorgt) gelangt man in die Versammlungshalle der Mönche (Ubosot). Im Inneren sind drei von vier Wänden mit aufwendigen und teilweise lebensecht erscheinenden Malereien beschmückt. Die letzte Wand ist noch grau, welche daran erinnert, dass das Bauwerk noch nicht fertiggestellt ist. Die Malereien sind meiner Ansicht ein künstlerisches Meisterwerk. Viele Details in den Bildern beinhalten versteckte Botschaften und indirekte Beziehungen zum irdischen Leben.

9/11 illustrationEin Beispiel illustriert den 9/11 Anschlag. Es ist jedoch nicht ein Flugzeug, welches in den Tower geflogen ist sondern vermutlich ein Angry Bird. Wenn man genauer hinsieht erkennt man vor de rechten Tower Superman, der zur Hilfe eilt. Wir hätten uns womöglich Stunden in der Halle aufhalten können und interpretiert und gegrübelt was all die Bilder bedeuten sollen. Sieht man die Malereien als Ganzes an, so ist ersichtlich das zuunterst das Übel weilt und man im Zyklus der Wiedergeburt langsam nach oben steigt bis man zuletzt erleuchtet wird und man im Nirvana landet. Leider darf man im Inneren keine Fotos machen. Wir waren ebenfalls total überrascht als wir im Innern einen Mönch vorfanden. Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass “Geistliche” sich in einem solch “modernen” und bizarren Tempel aufhalten würden, aber dies schien dem Mönch gar nichts auszumachen.

Alles bis ins letzte Details gestaltet. Selbst die Warnschilder entsprechen dem künstlerischen Stil. Das Symbol für das Hundeverbot ähnelt einem Schlangenkopf, neben dem Rauchverbot Schild sind Totenköpfe und vieles mehr. Ein absolutes Muss für jedermann, der sich in Chiang Rai aufhält oder sonst etwas Aussergewöhnliches sehen möchte.

Fliegende Gibbons im Dschungel Laos’

Wenn sogar im Lonely Planet steht, dass es in einer Grenzstadt nichts zu tun gibt, dann sollte man dem auch Glauben schenken.

Bevor Sabi und ich die Grenze zu Thailand überqueren wollten, haben wir einen Halt an der laotischen Grenzstadt Huay Xai gemacht.

Aber was gibt es denn dort zu tun? Nun ja, nebst dem ganzen Grenzhandel wo billige Ware aus China und Thailand verhökert wird, gibt es den sogenannten Gibbon Experience. Wilderei, Abholzung, Raubbau und Abbrennen von landwirtschaftlichen Flächen gehörten zu der Tagesordnung im Bokeo Naturreservat vor einigen Jahren. Dies hat sich zum Glück etwas geändert. Das Projekt konzentriert sich darauf, die Einheimischen davon zu überzeugen ihr Einkommen mit Tourismus statt mit umweltzerstörenden Machenschaften zu sichern. Anstatt die bedrohten Gibbons, die kurz vor der Ausrottung standen, zu jagen, haben sie sich nun darauf konzentriert Baumhäuser zu bauen und sogenannte ‘zip-lines’ quer durch den Dschungel zu verlegen.

Das Ziel ist es Abenteurern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Das Ziel ist es nach mehrstündigem Trekking und mehrmaliges Gleiten auf den zip-lines das Baumhaus zu erreichen. Die längste Zip-Line ist 700m lang, die höchste befindet sich 200m über den darunterliegenden Baumwipfeln und ist vermutlich die effektivste Lösung die eigene Höhenangst zu verlieren 🙂

Das Baumhaus, welches ca. 40m über sicherem Boden steht, erreicht man natürlicherweise nur mittels zip-line. Ein authentisches Robinson Crusoe kommt da in einem hoch. Vor allem WC und Dusche sind ein Highlight: Zwar ist der Eingang zum Klo mit einem Vorhang abgeschottet, aber wenn man einmal drin ist, ist man vollkommen exponiert. Das wohl schönste Panorama, welches ich je während dem Duschen erleben durfte. Die einzigen Gibbons die wir gesehen haben waren leider nur wir selber, da viele Freude und Angst geschrien haben als sie die zip-lines benutzt haben, was umliegende Tiere aufschreckt.

Aber nun genug geschwatzt, überzeugt euch doch einfach mal selber vom Feeling, wenn man in atemberaubender Höhe durch den Dschungel gleitet. Ein absolutes Muss, wobei aber gesagt werden muss, dass die Attraktion total überteuert war und der Service und die Sicherheitsmassnahmen teils sehr zu wünschen liessen. Ihr könnt meine Bewertung auch gerne bei tripadvisor nachlesen.